Schmeckt’s?

Swimming Pool in der Lake Nakuru Lodge

Ich habe den Ort gewechselt. Lake Nakuru heißt der Nationalpark und ist das Gegenteil der Amboseli (deren Name auf Deutsch „Staub“ bedeutet). Nakuru ist saftig grün, am Airstrip – der ein hingegossener Zementstreifen mitten im Gras ist – grasen friedlich zwei Rhinozerosse.

Die Lake Nakuru Lodge – mein Domizil für die kommenden drei Tage – liegt nicht am Park, sondern mittendrin. Nach den ruhigen ersten Tagen in Amboseli bin ich plötzlich in der lärmenden Neckermann-Welt gelandet.

Das ist natürlich unfair, aber meinen Einstand in diesen Teil der Welt hatte ich in der friedlichen, naturfreundlichen, (nach außen hin) entspannten Tawi Lodge. Da fiel die straffe Organisation hinter den Kulissen, die nötig ist, um den Laden so gut am Laufen zu halten und den Gästen gleichzeitig diese Ruhe zu bieten, gar nicht auf. In der Lake Nakuru Lodge stolpere ich auf Schritt und Tritt über Organisation und deren Kontrolleure.

Die Anlage ähnelt denen am Roten Meer in Ägypten – Pool, weite Wege, großer Speisesaal mit Büffet morgens, mittags und abends, dessen Opulenz auch hier vor allem dazu dient, den Gast satt zu machen, auf dass er über die vielen kleinen Mängel wie undichte Duschköpfe, schimmelige Ecken und schlampiges Management hinweg sieht – aber es schmeckt doch so gut und ist auch so viel, da können wir uns bei dem Preis doch wirklich nicht beklagen.
Ich schweife ab.

  • Lake Nakuru LodgeKlassische Resort-Architektur …
  • Lake Nakuru Lodge… Wegweiser an jeder Kreuzung …
  • Lake Nakuru Lodge… ein schicker Pool …
  • Lake Nakuru Lodge… Paviane geben das regionale Haustier …
  • Lake Nakuru Lodge… und der Speisesall bietet Aussicht.
  • Lake Nakuru LodgeDafür sind die Zimmer einfach …
  • Lake Nakuru Lodge… und die Aussicht erinnert an die Alpen.
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Bei den Mahlzeiten wuseln dauernd vier Leute um Dich herum, ohne dass klar wäre, welche Funktion da wer hat – und ob er überhaupt eine Funktion an Deinem Tisch hat und nicht einfach nur auf Trinkgeld scharf ist. Ja, ich weiß: Ich klinge, wie der typische deutsche Besatzungs-Tourist, aber ich komme mir vor, wie in diesem Loriot-Sketch, wo alle paar Sekunden der Kellner kommt und fragt „Schmeckt’s?“, „Und! Alles zur Zufriedenheit, der Herr?“. Hier fragen sie mich, wie mein Tag war, ob ich gut geschlafen habe, ob ich auf Game Drive war, ob ich meinen Aufenthalt genieße, ob die Suppe geschmeckt hat, ob ich noch ein Bier möchte und ob alles okay ist. Das ist alles nett gemeint, aber wenn der dritte fragt, wird es anstrengend.
Die müssen das wohl tun, denn es gibt auch die Mitarbeiter, die mich nichts fragen, aber Anzug und Krawatte tragen, ausschließlich männlichen Geschlechts sind und dauernd durch die Anlage streifen. Das sind die Kontrolleure, die gucken, ob das Personal auch sauber arbeitet. Die sehen nicht aus, als würden sie irgendwelche Erklärungen für Mängel oder gar Fehlleistungen akzeptieren. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Die wuselige Freundlichkeit im Restaurant ist nicht fröhlich; sie riecht nach … Angst. Angst, den Job zu verlieren, weil du nicht gefragt hast, ob’s schmeckt!
Vielleicht bilde ich mir das nur ein. Vielleicht habe ich zu viele Filme gesehen, die in solchem Frohsinns-Ambiente spielen.

Aber … die Männer in Anzug und Krawatte setzen auf Druck, haben aber ihren eigenen Bereich, die Orga hinter den Kulissen, nur mäßig im Griff. Mein Check In war peinlich, was nur marginal daran lag, dass die Mitarbeiter hier zwar Englisch sprechen, aber „R“ mit „L“ vertauschen – „wi hally fol Lanch, Söl“. Nein, peinlich war es, weil am Empfang zwei Trainees standen, aber sonst niemand. Und diese beiden Trainees erwarteten in mir einen Gast, der für eine Nacht bleibt und keine Fragen stellt. Ich hatte aber für drei Nächte gebucht und hatte Fragen; wo und wie ich mich für Game Drives anmelden könne – das sind die Ausflüge, die wir gemeinhin als „Safari“ bezeichnen, was in Swahili aber nicht anderes als „Reise“ bedeutet. Darüber müsse ich mir keine Gedanken machen, sagten die beiden fröhlich, ich hätte ja meinen persönlichen Fahrer. Von einem solchen wisse ich gar nichts, sagte ich. Aber sie blieben dabei, eigener Fahrer. Ein Desk Manager, der sich der Sache – und dem Gast – hätte annehmen können, gab es nicht. Auf dem anschließenden Game Drive fragte ich also Samuel, meinen Fahrer. Der wusste auch von nichts, blieb die endgültige Klärung dann aber schuldig, weil unser Wagen in der Abenddämmerung einen Platten hatte und Samuel den Ersatzreifen nicht aus dem Kofferraum bekam. Ich sah mich als Figur in einem Horrorfilm aus den 80ern: Die Nacht mit Samuel, der „R“ mit „L“ vertauscht („No Ploblm!“), in einem ungesicherten Toyota und die Löwen kommen, gefolgt von den Hyänen und Geiern.

Platter Reifen am Toyota bei Einbruch der Dunkelheit

Statt dessen kam ein Lkw mit Mechanikern und einem Fahrer, der mich übernahm und in die Lodge brachte. Zurück zum schlampigen Management – es geht ja hier nicht um Trainees, die was durcheinanderbringen. Heute stand der General Manager der Lodge vor mir und sagte, ich hätte noch nichts bezahlt, der Agent (über den ich die ganze Reise zusammengestellt und gebucht habe) hätte nichts überwiesen – ich soll also bitte sehr Übernachtung und alle Game Drives und Extras zahlen, bevor ich übermorgen weiterreise. Drei Stunden, zwei SMS und einen ziemlich mau gelaunten Game Drive später stand derselbe General Manager wieder vor mir und erklärte unter zahlreichen Verbeugungen, es sei alles geklärt, er habe mit dem Agenten telefoniert, ein Missverständnis, ich müsse gar nichts mehr bezahlen. It’s Africa, Man!

Antilopen im Lake Nakuru Nationalpark

Kann ich auch was anderes als nölen? Yep! Am Lake Nakuru gibt es tolle Tiere. Neben der Giraffe und dem Zebra will ich jetzt eine Antilope mit heim nehmen. Gott sind die süß! Aber das ist eine andere Geschichte …

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