Bauen ist Leben, Ordnung ist Stillstand

Titel: The Lego Movie

Der Erfolg des „Lego Movie“ zeigt, dass die Menschen es satt haben, sich mit komplexen Themen wie Griechen-Schulden oder Freihandelsabkommen auseinanderzusetzen. Das Prinzip Lego ist einfacher – und schafft sogar den Berliner Flughafen.

Die Schurken sind die Ordnungsliebenden. Die Schurken sind die, die darauf pochen, dass Baupläne umgesetzt, Kostenvoranschläge eingehalten werden. Die Schurken sitzen an den Schalthebeln der Macht, stellen den Präsidenten in Lego-Land. Was sagt es uns, wenn hundsgemeine Kinoschurken heute nicht mehr Darth Vader, Saruman oder Voldemort heißen? Sondern Lord Business – „Herr des Geschäfts“?

Meisterbauer am BER
Diese Herren über die Geschäfte werden bekämpft von Anarchisten, von Typen, die sich selbst „Meisterbauer“ nennen und den Sinn des Lebens darin sehen, einfach mal drauf los zu bauen – ohne Plan, einfach aus Spaß an der Freud – sie sind die Luke Skywalkers im „Lego Movie“.

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Aus Klötzchenbauerperspektive sind am Berliner Flughafen BER anarchische Meisterbauer am Werk und jeder Häuslebauer, der auf die Einhaltung der Baupläne seines Eigenheimes pocht, ist ein Lord Business.

Das „Lego Movie“ feiert das Bauen als Lebensinhalt: Eine Gruppe von „Meisterbauern“, die einfach drauf los bauen wollen (und können), sagt dem großen Herrscher über das Legoreich den Kampf an, der die ohnehin schon extrem geordnete Welt mit einer Superwaffe endgültig stilllegen will. Der Widerstand besteht im dauernden Um- und Neubau allen Seins. Das Zentrum des Glaubens ist … ein Legostein, der „Stein des Widerstands“. In der realen Welt – unserer Welt – hat dieser Stein sein Korsett aus eckigem Plastik längst verlassen. Lego ist, um mal einen strapazierten Begriff in einem passenden Zusammenhang zu gebrauchen, Kult.

Zur Zerstreuung des gestressten Gamers
Die großen Titel der Populärkultur – Star Wars, Der Herr der Ringe, Batman, Harry Potter, The Avengers – existieren als Computerspiele auch in der Legooptik und erfreuen sich da größerer Beliebtheit als die Original-Actionspiele. Warum das so ist? Na, die Original-Games sind für den Durchschnittsspieler ähnlich kompliziert, wie die Eckpunkte der Euro-Krise. In der Lego-Variante darf der Spieler einfach laufen, springen, Münzen einsammeln und ein bisschen Laserschwert schwingen.
„Lego“ gleich „einfach“. So funktioniert der Film, der als längster Werbefilm in die Geschichte des Marketing eingehen wird. Denken bremst, hier wird Bild auf Bild, Klötzchen auf Klötzchen gesetzt, wie es gerade gefällt. Je einfacher, je regelabgewandter, desto besser. Ein großer Spaß. Da steht der Film in der Tradition großer Anarchistenfilme wie „Auf dem Highway ist die Hölle los“, in dem ohne tieferen Sinn und ungestraft Autos durch Supermarktregale rauschten – während vor dem Kino mein Auto aus der Anwohnerparkzone abgeschleppt wurde.

Das Lego Movie geht viral
Wäre der Film ein Youtube-Phänomen, würde man sagen: Der Film ist viral gegangen. Die fröhliche Bau-Anarchie hat beim US-Publikum einen Nerv getroffen. Das zeigen, frei nach Lord Business, ein paar Zahlen. 60 Millionen US-Dollar hat die Produktion gekostet. Eingespielt hat der Film nach den ersten zwei Monaten 251 Millionen US-Dollar – in den Kinokassen. Nicht mitgerechnet sind die vielen zusätzlichen Legokisten, die Kinder nach dem Film von ihren Eltern gekauft haben möchten.

Und morgen wenden wir uns dann wieder dem Berliner Flughafen zu – in jener Realität, in der er einst richtig funktionieren soll und in der Lord Business wieder Hartmut Mehdorn heißt.

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