Tragbar

Am Ramon Makhtesh

Ich hatte ein wenig befürchtet, ich sei mittlerweile so ein innerlich verbiesterter alter Mann, dem einfach alles auf den Sack geht, was nicht so ist, wie daheim auf seinem Fensterbrett. Ist nicht so.

Heute war ich den ganzen Tag in der Wüste Negev. Wenig Menschen. Viel Stille. Grandiose Landschaft. Ich kam mir vor, wie der Typ aus der Bierwerbung, der in die Sanddüne fällt, weil jetzt alles gut ist – nur, dass ich kein Bier dazu brauchte. Ein großartiger Tag, unter anderem mit einem Besuch in dem Haus, in dem David Ben Gurion viele Jahrzehnte gelebt hat; da habe ich viel über Israel und über die Arbeit im Kibbuz gelernt – in den Kibbuz gehen, das war, als ich Teenager wurde in der „Generation plus 5 bis 10 Jahre“ gerade ungemein angesagt; prompt fand ich das doof und habe mich nie weiter dafür interessiert. Schade eigentlich. Die Wüste urbar und damit aus Israel ein Land für viele Millionen Menschen zu machen, klingt spannend; hart, aber spannend.

Das war aber auch der einzige Ort mit Menschen. Der Rest des Tages galt der Natur. Und wieder: Die Israelis kopieren die USA – erst bei der Regel mit dem Trinkgeld, dann machen sie aus der Painted Desert in Arizona hier den Makhtesh Ramon, und die schnurgeraden Highways in Nevada werden hier zu Landstraßen durch großartige Landschaften; hier unten in der Wüste ist Israel das traumhaft schöne Land, von dem viele erzählt haben. Und guten Wein machen sie hier – fruchtig und schwer.

Landstraße durch die Negev

Nach der Wüste kommt das Meer; das Tote Meer. Es stimmt: Du kannst wirklich nicht untergehen! Schon nur einen Arm nach unten zu drücken, ist ein Kraftakt. Wahnsinn! Allerdings ein schmerzhafter. Kommt dieses Wasser ins Auge, dann Aua. Es brennt aber auch auf dem Gesicht. Wahrscheinlich ätzt mir das Salz unangenehme Mitesser weg.

Der Autor treibt im Toten Meer

Für dieses Tote-Meer-Erlebnis bin ich auf eine Übernachtung in so einer Hotelstadt eingegangen: Zehn Hotels, drei Shopping Malls, jede Menge Local-Food-Restaurants mit ausgebleichten Fotos statt einer Speisekarte, ein McDonald‘s und ganz viele Russen … nur Russen … das ist mir schon im Norden aufgefallen. Gegen diesen Menschenschlag ist der durchschnittliche deutsche Pauschalurlauber ein schlanker, geistreicher und gut gekleideter Zeitgenosse. Um nicht aufzufallen, habe ich mich heute Abend in Mimikry geübt: Ich habe ordentlich zugeschlagen und viel zu viel gegessen (ich sage aber nicht, wo). Mal sehen, ob ich morgen früh im Toten Meer doch untergehe …

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