Phubbing

Phubbing in La Playa

Es stimmt tatsächlich. Wenige Tage nach unserer Ankunft hier tauchte in den deutschen Medien plötzlich der Begriff phubbing auf. Beschrieben wurde der Umstand, dass mehrere, meist junge Menschen um einen Tisch sitzen und jeder auf sein Handy starrt. Das Kunstwort setzt sich zusammen aus „Phone“ und „snubbing“, was englisch ist und „vor den Kopf stoßen“ heißt.

Während meine Reisegruppe heute zum Wasserfall wandert – eine schöne, aber beschwerliche Strecke, die ich im vergangenen Jahr kennenlernte – bin ich zum Frühstück nach La Playa spaziert. An den Nebentisch setzt sich eine Familie – Papa mit BVB-T-Shirt, Mama mit hennarotem Kurzhaar sowie zwei Töchter, die eine auf dem Endlich-richtig-Party-Sprung, die andere verharrt noch im muffigen ihr-seid-mir-alle-soo-peinlich-Status. Kaum sitzen sie, zücken sie ihre Handys und verstummen.

Vor ein paar Tagen ist mir das Phänomen beim Abendessen aufgefallen, als drei Freundinnen angeregt in ihre Handys schwiegen. Und auch wir checken hier dauernd unseren Status. P. beklagt „schon wieder 23 neue Nachrichten“, wenn sie mal eine Stunde offline war, Reinhard studiert seine E-Mails, bevor er die Karten mischt, Britta checkt online das Gerücht, Lukas Podolski wechsle nach Schalke und ich lese SZ und chatte zwischendrin mit Freunden daheim.

Was auf den ersten Blick wie – wieder mal – das Ende der Menschheit wirkt, bietet beim zweiten Hinsehen lediglich eine Quelle mehr, aus der man das Gespräch bei Tisch in Gang hält. Vor 40 Jahren machten sich urlaubende Familien über die Dicke am Nachbartisch in ihrem unmöglichen Batikhemd lustig. Heute weist die gemeine Schwester die verliebte Schwester daraufhin, dass die Chantalle gerade simse, dass der umschwärmte Max aus der Nachbarklasse gestern mit der Annabelle geknutscht hat.

Die Menschheit geht also weiter. Und längst kann man natürlich stopphubbing.com beitreten.

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