Sparsam

Bier in der Strandbar

In meinem Hotel habe ich die französische Antwort auf das deutsche Reservierung-Handtuch kennengelernt. La Madame hat sich binnen zehn Minuten ein großes Frühstück auf den Teller gehoben: fünf Mehrkornbrötchen, vier Rogen-Toasts, sieben Scheiben Käse, mehrere Döschen Marmelade, einen Extrateller mit Humus und Hüttenkäse und das hat sie alles nicht gegessen. Während der Zeit, die ich als Frühstück bezeichnen würde, hat sie nur vier Becher Kaffee und sechs Gläser O-Saft getrunken. Ich nehme nicht an, obwohl es die dralle Statur der Französin durchaus erlaubt, dies zu denken, dass Madame sich den Frühstücks-Berg unbeobachtet auf ihrem Zimmer genehmigt. Ich nehme an, sie verfolgt die Eichhörnchen-Strategie – sammeln für den langen Tag; um Geld zu sparen.

Israel ist teuer. Die Nachricht ist nicht ganz neu. Vor einigen Monaten machte ein junger israelischer Student Schlagzeilen, der in Berlin lebt und auf Facebook einen Kassenbon gepostet hatte, der zeigte, dass ein in Israel beliebter Schoko-Pudding in Berlin für 19 Cent zu haben ist – in Israel kostet der mindestens 60 Cent, das Dreifache also. Dieser Post mit all seinen Implikationen führte zu einem mittelschweren innenpolitischen Beben – Wie: Plötzlich interessiert sich keiner mehr für die (halt teure) Sicherheit gegen die Palästinenser, sondern alle wollen billigen Pudding?
Die Debatte verlief mit der Zeit im Sande. Aber die Tatsache bleibt: Israel ist teuer. Für ein 0,5-Bier zahlst Du hier (umgerechnet) 7,70 Euro – für das Geld hast Du in Deutschland schon das zweite Bier halb ausgetrunken. Kann ich also der fülligen Madame übel nehmen, dass sie schon am Morgen vorausschauend zugreift? Ja. Und Nein.
Ich habe Urlaub und also werde ich wohl morgen, wenn ich von meinem Early-Jump ins Meer zurück komme, mir meine vier Scheiben Toast bunkern müssen; nicht, dass ich noch eine alte Erbfeindschaft wieder anfache – ausgerechnet in Israel.

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