Ein Mann sucht die Wildnis …

Zebras in der Masai Mara

… bevor es sie nicht mehr gibt. Axel, der Betreiber des Kilima Camp hier in der Masai Mara, hat mir gestern vorgerechnet, dass es diese Schönheit wahrscheinlich nicht mehr lange geben wird.

Das Land, das die Nationalparks umfassen, weitestgehend so natürlich zu erhalten, wie es für die Tiere lebensnotwendig ist, ist teuer – wie überall in der Welt. Das Land einfach zu Geld machen und den Tieren einen festen Pfad für ihren Zug von Norden nach Süden wieder nach Norden zu bauen, geht nicht. Die Tiere ziehen, wo sie ziehen, sie interessieren sich nicht für festgelegte Pfade. Fressen sie auf ihrem Weg die Saat, den Mais oder was immer neu angebaut wurde, bekäme der Farmer, der Land in der Masai Mara gekauft hätte, keine Entschädigung – das Gesetz räumt den wilden Tiere auf ihrem Weg absoluten Vorrang vor Ackerbau und Viehzucht ein. Wer also sollte Land kaufen, wollte Kenia den Boden seiner Nationalparks tatsächlich versilbern wollen? Neckermann, um dort Resorts zu bauen? Warum sollen sie Resorts dort bauen, wenn dann keine Tiere mehr kommen?
Erhält man aber das Land so, wie es ist, ist es gut für die Tiere, aber teuer für Kenia – den Devisen bringenden Tourismus kurbelt Wildlife nur bedingt an, quod erst demonstrandum: Kaum bricht am anderen Ende des Kontinents Ebola aus, streichen die großen Touristikunternehmen Kenia von ihrer Weltkarte.

Gepard in der Masai Mara

Was passiert mit den Masai? Sie besitzen viel Land, leben seit eh und je von und mit ihrem Vieh. Sie haben das oben beschriebene Problem des Vorrang genießenden Wildlifes schon. Manche haben ihr Land an findige Unternehmer verkauft und stehen plötzlich ohne Land da, das eigentlich ihr Vieh ernähren soll, das nun keinen Platz mehr hat; und wo sollen die zahlreichen Kinder dieser Masai hin, die einst das Überleben des Clans sicherten und jetzt einer Zukunft ohne Land und sterbendem Vieh entgegenblicken, in der ihre nomadisch geprägte Kultur keinen Platz mehr findet? In einen wie immer gearteten Arbeitsmarkt können sie kaum integriert werden.
Die Regierung in Nairobi hat sich bislang noch keine Gedanken gemacht, wie sie diesen Kreislauf abwärts durchbrechen kann und kümmert sich vor allem um ein gigantisches Hafenbau-Projekt in Lamu.

Ich bin nicht berufen, das zu kritisieren. Ich bin hier zwei Wochen zu Gast und kann die Probleme nur grob schätzen. Von den Tieren aber, die offenbar (irgendwann) zu einem Problem werden könnten, kann ich den Hals nicht voll kriegen. Ich gucke, ich staune, ich seufze – ich filme. So wie es aussieht, wird es ein langer Urlaubsfilm werden. Hier ist ein erster Teaser-Trailer:

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