Über Religion

Titelsequenz zu True Detective

Gibt ja so Tage. Das Wenige, das los war, erledigte sich mit links und der Rest war Krieg. Krieg in Syrien, im Irak, in Nigeria, in Libyen, weil die Menschen sich nicht einig werden können oder wollen, wie ihr Glaube an Gott buchstabiert wird (bis vor kurzem auch in Irland, weil auch Katholiken und Protestanten nicht wissen, wie sie ihren Gott buchstabieren sollen). Krieg in Gaza um Land, wegen früher, wegen des Glaubens, wegen einer einen Sache und einer anderen Sache, weil ich Dir wie Du mir, wegen überhaupt allem. Und im Schützenverein im westfälischen Sönnen darf einer nicht Schützenkönig sein, weil er Muslim ist, wo die Satzung doch glasklar nur einen Christen erlaubt.
Ich fahre nach Hause und denke: Die spinnen doch alle! Ich denke das öfter. Aber ich gucke da nicht jedes Mal gerade „True Detective“.

Daheim läuft die dritte Folge der (bisher schon) wunderbaren, schwülen und dichten TV-Serie True Detective (Buch: Nic Pizzolatto). Da stehen die beiden Cops – Woody Harrelson und Matthew McConaughey – im Nirgendwo Louisianas und beobachten einen Erweckungsgottesdienst.
Zwischen Harrelson, der den blond gescheitelten Fünfe-gerade-sein-lassen-Cop mit Frau und zwei Töchtern spielt und McConaughey, der den am Leben zerbrochenen, zynischen Texaner spielt, entspinnt sich vor dem Kirchenzelt folgender Dialog:

McConaughey: „Wie hoch, glaubst Du, ist der Durchschnitts-IQ von den Leuten?“
Harrelson: „Und, kannst Du Texas von Deinem hohen Ross aus sehen? Was weißt Du schon über diese Leute!“
M: „Naja, ich beobachte und ziehe Schlüsse. (die Kamera schwenkt durch das Kirchenzelt) Ich sehe eine Neigung zu Fettsucht, Armut, eine Leidenschaft für Märchen. Die Leute legen die paar Dollar, die sie haben, in einen Bastkorb, der herumgegeben wird. Ich glaube, man kann davon ausgehen, dass hier niemand das Atom spalten wird.“
H: „Merkst Du das … Deine beschissene Einstellung? Nicht jeder will in einem leeren Zimmer rumhocken und sich über Fotos von Mordopfern einen von der Palme wedeln. Es gibt Leute, die genießen die Gemeinschaft. Das Gemeinwohl!“
M: „Tja, aber wenn Gemeinwohl darin besteht, an Märchen zu glauben, wen soll das dann weiterbringen?“
H: „Ich mein‘, kannst Du Dir das vorstellen: Wenn die Menschen an nichts glauben, was sie dann so alles treiben würden?“
M: „Genau das Gleiche, was sie jetzt machen – nur in aller Öffentlichkeit.“
H: „Shit! Die Welt wär‘ ’ne verdammte Freakshow, voller Mord und Verkommenheit und das weißt Du!“
M: „Wenn das einzige, wodurch ein Mensch anständig bleibt, die Erwartung auf eine göttlichen Belohnung ist, dann ist dieser Mensch ein opportunistisches Arschloch.“

Gibt ja so Tage. Da erklärt ein 30-Sekunden-Dialog in einer Folge einer TV-Serie die ganze Welt.

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