Reisegruppenbuilding

La Playa, Valle Gran Rey

Sechs Menschen verreisen gemeinsam. Drei Frauen, drei Männer, drei Wochen, zwei Ferienwohnungen, zwei Generationen, zwei Paare, zwei Singles. Das klingt wie ein Drehbuchkonzept für eine französische Sommer-Romanze, an deren Ende drei Paare stehen – allerdings keines der vom Anfang mehr.

La Gomera – Außenposten des Sauerlands

So wird es bei uns nicht sein. K. und L. – das eine Paar – sind 18, Reinhard ist mit meiner Schwester Britta liiert – das zweite Paar; Reinhards Tochter P. ist 17 und schließlich noch ich, 55. Aus dieser Konstellation neue Paare zu würfeln, würde selbst ein Gesellschafts-Filetierer wie Claude Chabrol vor große Probleme stellen. Was aber nicht heißt, dass nicht trotzdem eine Geschichte draus wird. Nicht nur müssen wir uns noch finden (Gruppendynamik), es gibt sogar den Sand im Getriebe (Reisegruppenbuilding).

La Gomera in diesen Wochen – und ich übertreibe nur ein bisschen – ist eine Art sauerländischer Außenposten; mehrfach trafen wir in den vergangenen Tagen auf Menschen, die Reinhard und/oder Britta freudig – Mönsch, schön Euch zu sehen, hallo ers’ma’! – um den Hals fielen. Während wir sechs damit beschäftigt sind auszuloten, wie wir alle zusammenpassen, wer welche Interessen, möglicherweise welche Weichpunkte hat, auf die es aufzupassen gilt – drei Heranwachsende, die keine Kinder mehr sind, drei Erwachsene, die keine Elternrolle übernehmen wollen und sollen – sitzen gefühlt dauernd weitere Bielefelder am Tisch oder am Strand – und zumindest für mich ist das Gemeinsame dann beendet, es geht da um Söhne und Töchter und Freunde von Töchtern und die Ausbildung von Söhnen, es geht um Kollegen, die quer sitzen; es geht um Menschen, die ich nicht kenne und Probleme, die mich nicht interessieren – und offensichtlich bin ich nicht alleine.

Der Wahnsinn namens Jugend

P., K. und L. gehen dann lieber Gitarre spielen auf ihrer Terrasse, ich gehe lesen oder hänge meinen Gedanken nach.

Beim abendlichen Kartenspiel

Heute Abend war es anders. Wir haben zuhause gegessen, hatten die Zeit, uns einzugrooven; wir haben gespielt, irgendein lustiges Kartenspiel, das half, die anderen Typen am Tisch kennenzulernen, miteinander zu schwätzen. Bald ging es um Selfie-Wahnsinn, um Social-Media-Diktatur, um Thigh Gaps und Hände-vors-Gesicht-halten als neuer Selfie-Trend, um 17-Jährige, die einen Account mit 15.000 Followern pflegen, Mädchen, die ihre Streichholzbeine posten und jammern, sie seien zu dick und sich dann – ach Süßie, Du bist die Schönste, BFF – trösten lassen und darum, dass dieser Wahnsinn längst die Mitte der juvenilen Gesellschaft erreicht hat.

Könnte ein Urlaub werden, der meinen Horizont erweitert.

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