Einfach, weiß, WEGA

Als wir unseren ersten Farbfernseher bekamen, einen WEGA, da war dessen Farbregulierung denkbar einfach. Es gab an der der schick designten Fernbedienung vier Schalterwippen, eine war mit „Farbe“ beschriftet. Je länger ich da drauf drückte, desto schriller wurden die Farben des Fernsehbildes. Sehr einfache Handhabung; WEGA sammelte damals Design-Preise, wie ich damals Comics – in Massen. WEGA-Geräte hatten die Aura, die Apple-Geräte bis Mitte der Nuller Jahre hatten: Schön anzuschauen, weiß, und denkbar einfach in der Handhabung.

Das war einmal. Aus und vorbei!

Mein aktueller Fernseher ist nicht weiß. „Klavierlackschwarz“ heißt die Farbe in der Werbung. Er ist schlank und schmal und riesengroß – und modern. Anders ausgedrückt: Seine Handhabung lässt sich nicht auf vier Schalterwippen programmieren. Heute war mein Kollege M. bei mir und hat meinen Fernseher kalibriert. Der Bildschirm macht ein gutes Bild – ich bin zufrieden. Und seit mir jemand zwei Seiten mit Eckwerten für Gamma, RGB und CMYK reichte, anhand derer ich die für mein Gerät beste Bildeinstellung regeln konnte, macht er ein sehr gutes Bild. Aber nicht sehr gut genug – offenbar. Mein Kollege rückte mit Laptop an, auf das eine Kalibriersoftware aufgespielt war und brachte noch ein Gerät mit, das aussah wie eine Computermaus am Kabel; die hängte er so vor meinen Bildschirm, dass sie exakt in der Mitte des Bildschirms auflag. Dann ging‘s los: Grauwerte in Zehn-Prozent-Schritten, Rotwerte, Blauwerte, Grünwerte, Gelbwerte, Cyanwerte, Magentawerte – das Computermaus-ähnliche Gerät las alle Daten ein und schickte sie an die Software auf dem Laptop. Dann freute, staunte, erschrak mein Kollege, drückte Tasten, verglich Farbkurven und spielte dann wieder Grauwerte in Zehn-Prozent-Schritten, Rotwerte, Blauwerte, Grünwerte, Gelbwerte, Cyanwerte, Magentawerte.

Drei Stunden ging das so – immer wieder Grauwerte, Farbwerte, Grauwerte, Farbwerte, feine Justierung hier, weniger Grün da, Erstaunen, Erschrecken und am frühen Abend schon war die Farbe an meinem Gerät fertig eingestellt. Ich möchte nicht undankbar klingen oder den Eindruck erwecken, ich wüsste den großen Gefallen nicht zu schätzen, den Kollege M. mir erwiesen hat – Vielen herzlichen Dank, M!

Dennoch fürchte ich mich ein wenig: Insgesamt habe ich vier Stunden in die Farbregulierung meines Fernsehbildes investiert, wo früher eine Schalterwippe ausreichte. Ich ahne, dass das Klavierlackschwarz eingerahmte Plasma-Bild um ein Vielfaches besser ist, als das der alten WEGA-Röhre. Aber mal ehrlich: Als die NASA noch mit Computern arbeitete, die die Rechnerleistung eines Radioweckers hatten, hat sie Leute auf den Mond geschickt. Und heute? Früher war gar nicht alles schlecht!

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