15:38 hrs.

Am Morgen des Rückreisetages warte ich auf den Bus, der mich nach San Sebastián bringen soll.

Der Urlaub ist zu Ende. Um fünf nach acht habe ich mich von Britta und Reinhard verabschiedet und mich auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht, an der mich der Bus um 8.30 Uhr (Foto) aufpicken soll. Um 0.43 Uhr (23.43, La-Gomera-Zeit) habe ich daheim meine Wohnungstür aufgeschlossen; mit der einen Stunde Zeitunterschied zwischen dort und hier war ich fünfzehn Stunden und achtunddreißig Minuten unterwegs – fahren, warten, Fähre, warten, fliegen, warten, Kofferband, warten, S-Bahn – ein Zeitraum, den ich mir hypnotisch verkürze, indem ich eine Bilanz der drei Gomera-Familienwochen ziehe, in Gedanken nochmal den Hausberg erwandere, sexuellen Phantasien nachhänge, meinen aktuellen Roman lese, überlege, ob ich Samstag schon wieder rudern gehen soll, Geschichten erfinde und mich aktiv dem Ekel verschließe, den Reisen mit Condor zuverlässig hervorrufen (ich soll ja dankbar sein, aber die Art und Weise, wie der Ferienflieger der Lufthansa seine Gäste behandelt und einpfercht, ist eine Frechheit – müssten Hühner auf so engem Raum miteinander auskommen, der Zorn des Tierschützers wäre Condor gewiss; zum Glück sind wir nur Touristenviech).

Diese Zeitspanne ist der Preis, den wir zahlen müssen, wenn wir einen Urlaubsort haben wollen, an dem sich die Infrastruktur-Generalisten von NeckermanTUICondor&Co. die Zähne ausbeißen. Den Flughafen, den findige Regionalpolitiker im Nachbar-Valle bei Alajeró angelegt haben, hat die Insel selbst zum Kümmerlings-Dasein verurteilt, zwischen den hohen Felsmassiven links und rechts ist nun halt mal kein Platz für internationale Größe; das meiste, was hier abgewickelt wird, ist Fracht und ein bisschen Privatfliegerei.

Also muss man, will man nach La Gomera, von Mitteleuropa aus mit dem Flugzeug nach Teneriffa-Süd, von dort mit der Fähre nach San Sebastián auf La Gomera und von dort mit dem Bus quer rüber ins Valle Gran Rey über enge Serpentinen; das summiert sich. Immer wieder heißt es, die Fähre würde „demnächst auch Vueltas anfahren“, den Hafen im Valle Gran Grey, das aktuelle Gerücht weiß etwas von „ab kommenden Dezember“, aber der Trip rechnet sich eigentlich nicht und wäre folglich nur mit Unterstützung der EU machbar.

Rhein-Main-Airport, eine halbe Stunde nach der Landung

Sicher könnte man die Fährzeiten besser koordinieren – es gibt zwei konkurrierende Unternehmen, die die kanarischen Inseln befahren, vornehmlich beide je einmal am Vormittag und je einmal am Nachmittag. Währenddessen landen die Flugzeuge aus Mitteleuropa ganztags im Zehn-Minuten-Takt auf dem Flughafen Tenerife-Sud – die meisten Passagiere bleiben gleich vor Ort in dem beschaulichen Betonbunker von Los Cristianos. Was für ein Kontrast.

Als ich von der Fähre aus La Gomera in den Bus zum Flughafen umsteige und durch diesen Ort mit seinem Rund-um-die-Uhr-Stau fahre, mit seinem Kart-Center, den „Shopping-Paradises“, den Billigpizzerien und seinen Tand-Läden (Los Cristianos ist die Touristenhochburg in direkter Nachbarschaft zur berüchtigten Playa de Las Américas), wird mir mit dem Holzhammer vor Augen geführt, wie wertvoll fünfzehn Stunden und achtunddreißig Minuten sein können.

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