Nachtleben

Büste von Ben Gurion am Ben Gurion Airport, Tel Aviv

Du weißt, Du bist im Urlaub, wenn Du das Flughafengebäude verlässt, und Dich eine heiße Wand begrüßt: 26 Grad Celsius – morgens um halb vier. Dass es halb vier ist, sagt die Uhr im Terminal – ich muss mich eine Stunde vorstellen, meine innere Uhr sagt noch „halb drei“. Aber das ist ein unwesentliches Detail. Interessanter ist, dass der Flughafen Ben Gurion um diese Zeit so belebt ist, wie der Frankfurter Flughafen zu Ferienbeginn, wenn die Piloten streiken. Erster Eindruck: Die leben hier auch nachts.

Reisen bildet ja. Reisen empört auch; mich zumindest. Das kleine Vorhängeschloss an meinem Koffer ist verschwunden. Nicht weiter tragisch, das hätte wohl ohnehin ein Dreijähriger aufbiegen können. Es war aber kein Dreijähriger. Irgendein Sicherheitsmensch, der meinen Koffer mal von innen sehen wollte – okay, da sind viele Ladekabel, Akkulader, Festplatten und so Zeuch drin, das kann unterm Röntgenauge schon seltsam aussehen – hat das Schloss aufgemacht … und weg geschmissen. Gewundert hat‘s mich nicht: Das Zahlenschloss an meinem Koffer kriege ich nicht mehr auf und bei der Suche nach Tipps stieß ich im Netz auf die interessante Information, dass diese Zahlenschlösser jetzt Standard sind und dass das darauf angebrachte Rautenzeichen dem Sicherheitspersonal in aller Welt signalisiert, dass es die Zahlenkombination nicht knacken muss, sondern – Obacht – vom Schloss-Hersteller einen Generalschlüssel bekommen hat, mit dem es alle diese (Rauten)-Schlösser einfach öffnen kann.
Habe ich da was verpasst? Ist jetzt neben der verbotenen Zahnpastatube im Handgepäck auch gesetzlich geregelt, dass jederzeit eine anonyme Sicherheitskraft ohne meine Anwesenheit meinen Koffer aufbrechen darf? Aber letztlich dient es ja meiner Sicherheit und wahrscheinlich denke ich auch schon wieder viel zu deutsch!

Erfrischung an Bord von SWISS Airlines

Ich hatte einen angenehmen Flug, gewürzt mit der Erkenntnis, dass zwei Stunden Wartezeit am Flughafen nach dem Check In mittlerweile rumgehen wie, entschuldigung, wie im Flug – ich war so abgelenkt, dass zum ersten Mal mein Name aufgerufen wurde, weil ich beim Boarding bis kurz vor Schluss noch fehlte; die Zerstreuungsmöglichkeiten mit Gastronomie, Smartphone und Tablet sind zahlreich.
Und nun lande ich mitten im Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest. Wie schön! Neujahr im September.
Wie blöd: Alle Geschäfte sind zu, inklusive der Mietwagen-Läden. Ich packe also mehr Tel Aviv an den Anfang meiner Reise. Aber wohl erst einmal ohne Strand. Größte Herausforderung der ersten Tage wird sein, eine Badehose zu kaufen. Die habe ich alter Strandverweigerer nämlich in Mainz vergessen.

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