Gesellschaft

  • Buchgenuss nach Ladenschluss – Lesen in entspannter Atmosphäre in Ingelheim

    Letzte Ausfahrt Ingelheim

    Ingelheim. Rheinland Pfalz. Kleinstadt am Rhein. Hier werden – wie man so sagt – nach 17 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Montagabend. In der Bahnhofskneipe sitzen ein paar. Die Straßen, eher leer. Wir verschwinden auch. Ich nach Afghanistan, Kenia, Florenz, die anderen nach Israel, New York, Südamerika, Fantasyland. Es ist ein erstaunlicher Abend. „Buchgenuss nach Ladenschluss“ heißt das Konzept. In Ingelheim macht das die Buchhandlung Wagner. Wenn die Bürgersteige hochgeklappt sind, die Teenager die örtliche Eisdiele Richtung Abendbrot verlassen haben, schließt die Buchhandlung uns ein mit Häppchen, Prosecco und einer Fantastillarde Bücher. Und plötzlich bin ich wie Bastian Balthasar Bux aus der Unendlichen Geschichte – nicht ganz so dick. Aber umgeben…

  • ein Kamera-Rig

    Notizen aus der analogen Provinz

    Ich möchte mir ein Stativ kaufen. Ein, ich weiß den richtigen Namen für so was gar nicht, ein Handstativ; eines, mit dem ich meine Canon als Filmkamera führen kann, ohne dass das Handling a., zu kompliziert und b., zu unhandlich wird, aber, c., die Kamera nicht so wackelt beim aus-der-Hand-drehen. Ich betrete ein Fachgeschäft in Mainz. Dort erwarte ich Beratung und Auswahl. Die Zeiten sind vorbei. Ein faltbares Schulterstativ fängt Staub am Treppenaufgang, mehr ist nicht da. Der Verkäufer, ein Fachmann immerhin, erklärt mir, man könne das alles bestellen, aber ich möge mich bitte im Internet informieren, was mir vorschwebt. In den vergangenen Jahren seien hier immer, sagt der Verkäufer,…

  • Tablet, Smartphone und MacBook immer in Reichweite, auch im Bett

    Neben mir schläft mein Smartphone

    Würde ich über mich in der Zeitung lesen, würde ich wahrscheinlich der Schlussfolgerung des Autors folgen und sagen, „Der Typ ist verhaltensauffällig“. Wenn ich frei habe, also Wochenende oder Urlaub habe, kann ich Tage verbringen, ohne Menschen zu treffen oder zu reden. Da lese ich Zeitung auf meinem iPad, schaue verpasste Sendungen via iPhone/Apple-TV, lese Bücher auf meinem iPad, speichere meine Laufdaten via App auf meinem iPhone und halte Kontakt zu anderen Menschen da draußen über Facebook und E-Mail. Mein erster Griff morgens nach dem Aufwachen bringt mir meine Gadgets. Das ist leicht. Die liegen neben mir auf der anderen Betthälfte – da wo andere Männer ihre Ehefrau liegen haben.…

  • Meine Jogging-Strecke

    109 Kilogramm

    Geschafft! Nach fast vier Monaten bin ich zum ersten Mal wieder laufen gewesen. Glück gehabt: Kollegin A. fragte mit ihrer etwas spitzen Art und diesem mitleidigem Blick, den Menschen in den Zwanzigern Leuten in meinem Alter zuwerfen, wenn es um sportliche Aktivitäten oder vermeintlich juvenile Freizeitbeschäftigungen wie Tanzen geht, ob ich denn „auch schon wieder“ laufen wäre. Das konnte ich wahrheitsgemäß nur verneinen. Kollegin B., in meinem Alter, sprang mir bei und formulierte, ich hätte es „doch aber auch im Knie, oder?“ worauf Kollegin A. kicherte und ich lahm entgegnete, ja, das sei im Dezember gewesen, als es so nasskalt gewesen sei. Aber jetzt wäre ich einfach noch immer faul.…

  • Möge die Macht mit Dir sein

    Leben zwischen Arschlöchern und Jedi-Rittern

    Das waren zwei Scheiß-Tage. Warum musste ich mich auch auf diese Diskussion einlassen? Über Kino, Kulturförderung und wer die bezahlen sollte. Noch dazu auf facebook? Mit einem Kulturfaschisten, der Kinobetreiber, die mit Filmen wie White House Down hoffen, Geld zu verdienen, mit hohen (Kulturförder)Abgaben bestrafen will; der Menschen, die solche Filme gerne gucken – „na ja, überspitzt ausgedrückt“ – ins Umerziehungslager stecken will; der „Missstände anprangert, aber keine Lösungsansätze“ bietet? Ich Depp! Ich sollte es einfach lassen, oder – wie mein 22 Jahre jüngerer Kollege F. es formuliert – nicht über jedes Stöckchen springen, das mir einer hin hält. Naja, jedenfalls hat das meiner ohnehin in diesen Tagen nicht ausgeprägt…

  • Wahlzettel zur Bundestagswahl 2013

    Überforderte Strategen

    Erstaunlich. Zum ersten Mal werden in diesem Wahljahr die Nichtwähler gedissed. Irgendeiner hat angefangen, die Medien, gelangweilt von ihren eigenen, immer gleichen Wahldramaturgien, sind aufgesprungen und jetzt ist der Nichtwähler nur noch unter Nichtwählern cool. Alle anderen finden ihn seit ein paar Wochen blöd und texten ihn mit Gründen zu, die alle auf ein „Man muss halt wählen. Woanders sterben Menschen für das Wahlrecht!“ hinauslaufen. Ich persönlich glaube ja, dass man den überzeugt lustlosen Nichtwähler mit derlei Richtigsprech nicht ins Wahllokal bringt, wundere mich andererseits aber auch über das beliebte die-machen-doch-eh-was-sie-wollen, wenn es doch so illustre Vereinigungen wie die Bibeltreuen Christen oder die Autofahrerpartei oder irgendwelche Tierfreunde gibt, die man…

  • Die Helden des DC-Comic-Universums: Flash, Aquaman, Superman, Batman, Wonder Woman, Cyborg, Green Lantern

    Peters Prinzip

    John Gholson schrieb in seinem Comic-Blog Gutters & Panels neulich über die Personalführungs-Gepflogenheiten im DC-Verlag – das ist der Verlag, der seit bald 70 Jahren die Abenteuer von SUPERMAN, BATMAN, Green Lantern oder der Legion der Superhelden verbreitet. Gholson führt darin penibel auf, welche Autoren, Zeichner, Redakteure wie schnell wieder gefeuert wurden, weil ein Executive aus der oberen Etage mit der Arbeit des Autors, des Zeichners, des Redakteurs nicht zufrieden war. „Nicht zufrieden“ heißt in diesem Fall: Der oder die Executive fühlte sich übergangen, missachtet, nicht wert genug geschätzt, bekam Schiss ob einer vermeintlichen Experimentierfreudigkeit des AutorsZeichnersRedakteurs und beendete ein neues Storyprojekt so schnell, dass es keine Chance hatte, am…

  • An der Kaiserstraße in Mainz stehen am Freitag, 6. September 2013, Plakate der Kandidaten zur Bundestagswahl 2013

    Glatt gelogen

    „Die lügen doch alle!“ „Is‘ Wahlkampf. Erzählt doch jeder seine Märchen!“ Es ist aber auch wirklich schwer, Menschen zu vertrauen, die sich mir per Großporträt am Straßenrand andienen wollen, nachdem sie sich zunächst mal einer Bildbearbeitung unterzogen haben, um … ja, was eigentlich, jünger? … zu wirken. Diese Wahlplakat-Gesichter sehen gar nicht aus, als gehörten sie zu Menschen – Brüderle dem Botox zum Opfer gefallen, Merkel die Fältchen wegradiert, Steinbrück den teigigen Teint blaugestählt – Wahlkampf unter Photoshop. Wie soll ich einem Politiker vertrauen, der schon lügt, wenn er mir nur sein Gesicht zeigt? Wenn er noch gar nicht den Mund aufgemacht hat? Und was eigentlich ist gegen Politiker zu…