Urlaub

  • Passagiere verlassen die Boeing 757 der Condor in Airport Rhein/Main

    Baggage Claim

    Aufgestanden heute um halb sechs, Taxi um sieben, Fähre um neun, Flieger um zwanzig vor fünf, landen mit Verspätung (und Uhr eine Stunde weiter drehen) um viertel vor elf. Und dann kommt der schlimmste Moment jeder Flugreise. Der schlimmste Moment bei den an schlimmsten Momenten nicht armen Pauschal-Flügen ist der Moment am Kofferband. Mit jedem Koffer, der kommt und in andere Hände als die Deinen fällt, steigt Dein Bauchschmerz, dass Dein Koffer wohl auf dem Weg nach Südamerika sein wird (mein Trauma rührt von der Oscar-Verleihung 1999 her, als ich vier Tage lang und bis zwei Stunden vor der Gala mit meinen Klamotten vom Anreisetag und zwei Hemden aus der…

  • Cola-Picknick in La Playa de La Calera

    Abschied

    Die letzte Nacht ist schwierig. Wir haben den Nachmittag am Strand verbracht, haben abends Brittas Vorschlag umgesetzt: Pizza & Bier/Cola auf dem Mäuerchen am Strand, statt essen gehen … … und wollten dann auf unserer Terrasse „Bilanz ziehen“ – ein Gedanke, der vor allem P. seit zwei Tagen in Unruhe versetzte (mich irgendwie auch) – und den Urlaub ausklingen lassen. Statt dessen tauchte Nachbar Miguel mit einer Flasche Rotwein auf – einer guten Flasche Rotwein. Fairerweise muss man sagen: Miguel, der eigentlich Eugen Michael heißt, ist drei Geschichten für sich; Deutscher der ersten Stunde auf La Gomera (seit 1980), rheinischer Provenienz, hat sich hier über die Jahre ein wunderschönes Domizil…

  • Katze zu Besuch

    Maunz

    Ein Hund denkt: „Mein Mensch gibt mir Heimat, umsorgt mich, gibt mir Futter. Er muss Gott sein!“ Eine Katze denkt: „Mein Mensch gibt mir Heimat, umsorgt mich, gibt mir Futter. Ich muss Gott sein!“ Kurz: Katzen brauchen Dosenöffner, keine Freunde. Diese über die Sozialen Medien, Filme und Ratgeber-für-die-einsame-Hausfrau ventilierte Erkenntnis kann ich mit Erfahrungen mit unserer einstigen Familienkatze, Ming-Küng, unbedingt unterstreichen: Ohne Futter kein Schmusen. Seltsames Gomera: Ich habe seit zwei Tagen eine neue Freundin. Sie hat ein abgebissenes Ohr, ein Auge, dessen offensichtlich gewaltsam untermalten Werdegang ich nicht so genau wissen möchte. Aber sie hat ein seidenes Fell – anders als all die verfilzten Felidae, die ich in Griechenland,…

  • Rucksack Cougar 45

    Abenteuer im Sack

    Der letzte Tag ist angebrochen. Reinhard konnte seine Lieben zu einer letzten Wanderung überreden, „eine Stunde hin, eine zurück, schöne Eindrücke“. Ich bin zurückhaltend, was solche Beschreibungen angeht, was daran liegt, das auch eine-Stunde-hin-eine-zurück nicht immer ohne Knochenbrecherabstiege abgeht und ich Zivilisationsopfer Panik schiebe, ich könnte mir auf den abschüssigen Wegen über Stock und Stein den Fuß verrenken, brechen, abreißen, was auch immer – ich bin grundsätzlich mehr für das zu haben, was der Wanderführer „relativ ebene Strecke“ oder „Forstwanderweg“ nennt. Wirklich misstrauisch gegenüber Reinhards eine-Stunde-hin-eine-zurück-Schilderung aber macht mich der Rucksack, den er stets mitführt, einen Cougar 45, dessen Hersteller von perfektem Sitz „dank ErgoVent-Vario-Tragesystem“ schwärmt und „Ergonomisch geformte, verstellbare…

  • Schilderwald: Überholen verboten - Überholverbot aufgehoben

    Überholte Programme

    Auf der Rückfahrt vom Strand in Alojera frage ich mich mal wieder, ob das alles so richtig ist und da kommt dann der deutsche Nachrichtenredakteur in mir durch, der andauernd darüber berichtet, dass GriechenlandIrlandSpanienPortugal wieder Geld aus einem dieser Euro-Rettungsfonds brauchen und, hey, wir helfen doch gern. La Gomera ist eine südeuropäische Insel mit Bergen. Als solche hat sie sehr kurvige Straßen, der mitteleuropäische Familienvater schnalzt nonchalant von „Serpentinen„. Wie der Spanier sie nennt, weiß ich nicht, aber dass ihm vor jeder Kurve gesagt werden müsste, dass er in dieser Kurve nicht überholen darf (und auch unter keinen Umständen überholen sollte, weil, lebensgefährlich und so), das kann ich nicht glauben.…

  • Eine tote Taube liegt vor der Ermita del Santo in Arure

    Spektakel

    Vor der Ermita del Santo in Arure liegt eine tote Taube. Grün schillernde Fliegen haben mit dem Sezieren begonnen. Es gibt schlimmere Orte zum Sterben. Der Blick von hier oben ins Tal von Taguluche, dem Nachbartal nördlich unseres Valle Gran Rey, ist groß. Noch einen Barranco weiter rechts liegt Alojera, ein Dörflein mit Strand, von dem Reinhard, Britta und P. beständig schwärmen und wohin man nur über eine bisweilen abenteuerliche Serpentinenpiste kommt. Dort ist, abgesehen von einer Bar und ein paar angeschimmelten Häusern noch ein Steinstrand mit sehr klarem Wasser mit Regenbogenfischen drinnen. Eingefasst ist das Ganze auf drei Seiten von hohen Felsen. Es ist nicht weiter schlimm, dass der…

  • Abendspaziergang in La Playa de la Calera

    Grauschimmer

    Es ist Mittwoch. Der letzte Mittwoch unseres Urlaubs. Es wird Zeit, die Rückreise ins Auge zu fassen. Unsere Fähre verlässt San Sebastian Sonntagmorgen um neun Uhr, das heißt, wir müssen hier in La Calera um sieben Uhr mit gepackten Sachen ins Taxi steigen. Wir haben entschieden, unseren Mietwagen hier abzugeben und ein Großraumtaxi zu chartern – das macht alles etwas einfacher. Unentschieden ist noch, ob wir, wie Reinhard das möchte, um viertel vor sieben losfahren, „um genügend zeitlichen Puffer“ zu haben, oder ob wir um sieben Uhr losfahren, was Britta und ich als zeitlichen Puffer ausreichend finden, legt man zugrunde, dass die einfache Fahrt über die Insel im Schnitt 45…

  • Sonnenuntergang über La Gomera

    Die Tochter des Restaurantbesitzers

    Ein bisschen romantische Träumerei darf sein zwischen Sonne, Strand, Meer und dem Charme südländischer Schönheiten. Dieser Traum beginnt mit einem Lächeln im Sommer 2012. Ich saß in einer Bodega an der Strandpromenade in La Playa de La Calera. An meinem Tisch vorbei promenierten Familien, aufgebretzelte Jugend, es war Samstagnachmittag, man sah und wollte gesehen werden vor der abendlichen Wochenendbeschallung. Ich tue selten Zucker in meinen Kaffee aber heute tat ich es – spanischer Kaffee ist bitter. Ich blickte auf und in ein schönes Gesicht. Das war nun zunächst noch nichts Erwähnenswertes, schöne Spanierinnen hatte ich in den vergangenen Tagen viele gesehen. Aber dieses Gesicht … ließ mich unwillkürlich lächeln. Ich…