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Baggage Claim
Aufgestanden heute um halb sechs, Taxi um sieben, Fähre um neun, Flieger um zwanzig vor fünf, landen mit Verspätung (und Uhr eine Stunde weiter drehen) um viertel vor elf. Und dann kommt der schlimmste Moment jeder Flugreise. Der schlimmste Moment bei den an schlimmsten Momenten nicht armen Pauschal-Flügen ist der Moment am Kofferband. Mit jedem Koffer, der kommt und in andere Hände als die Deinen fällt, steigt Dein Bauchschmerz, dass Dein Koffer wohl auf dem Weg nach Südamerika sein wird (mein Trauma rührt von der Oscar-Verleihung 1999 her, als ich vier Tage lang und bis zwei Stunden vor der Gala mit meinen Klamotten vom Anreisetag und zwei Hemden aus der…
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Abschied
Die letzte Nacht ist schwierig. Wir haben den Nachmittag am Strand verbracht, haben abends Brittas Vorschlag umgesetzt: Pizza & Bier/Cola auf dem Mäuerchen am Strand, statt essen gehen … … und wollten dann auf unserer Terrasse „Bilanz ziehen“ – ein Gedanke, der vor allem P. seit zwei Tagen in Unruhe versetzte (mich irgendwie auch) – und den Urlaub ausklingen lassen. Statt dessen tauchte Nachbar Miguel mit einer Flasche Rotwein auf – einer guten Flasche Rotwein. Fairerweise muss man sagen: Miguel, der eigentlich Eugen Michael heißt, ist drei Geschichten für sich; Deutscher der ersten Stunde auf La Gomera (seit 1980), rheinischer Provenienz, hat sich hier über die Jahre ein wunderschönes Domizil…
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Abenteuer im Sack
Der letzte Tag ist angebrochen. Reinhard konnte seine Lieben zu einer letzten Wanderung überreden, „eine Stunde hin, eine zurück, schöne Eindrücke“. Ich bin zurückhaltend, was solche Beschreibungen angeht, was daran liegt, das auch eine-Stunde-hin-eine-zurück nicht immer ohne Knochenbrecherabstiege abgeht und ich Zivilisationsopfer Panik schiebe, ich könnte mir auf den abschüssigen Wegen über Stock und Stein den Fuß verrenken, brechen, abreißen, was auch immer – ich bin grundsätzlich mehr für das zu haben, was der Wanderführer „relativ ebene Strecke“ oder „Forstwanderweg“ nennt. Wirklich misstrauisch gegenüber Reinhards eine-Stunde-hin-eine-zurück-Schilderung aber macht mich der Rucksack, den er stets mitführt, einen Cougar 45, dessen Hersteller von perfektem Sitz „dank ErgoVent-Vario-Tragesystem“ schwärmt und „Ergonomisch geformte, verstellbare…
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Überholte Programme
Auf der Rückfahrt vom Strand in Alojera frage ich mich mal wieder, ob das alles so richtig ist und da kommt dann der deutsche Nachrichtenredakteur in mir durch, der andauernd darüber berichtet, dass GriechenlandIrlandSpanienPortugal wieder Geld aus einem dieser Euro-Rettungsfonds brauchen und, hey, wir helfen doch gern. La Gomera ist eine südeuropäische Insel mit Bergen. Als solche hat sie sehr kurvige Straßen, der mitteleuropäische Familienvater schnalzt nonchalant von „Serpentinen„. Wie der Spanier sie nennt, weiß ich nicht, aber dass ihm vor jeder Kurve gesagt werden müsste, dass er in dieser Kurve nicht überholen darf (und auch unter keinen Umständen überholen sollte, weil, lebensgefährlich und so), das kann ich nicht glauben.…
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Brunftzeit
Glatte Haut. Knappe Bikinis. Coole Gesten. Laute Rufe. Heimliche Blicke. Im Meerwasserbad von Hermigua ist Brunftzeit. Der Reisende bekommt ein Best of Summer-of-Teenage-Love-Remembrance und ist versucht, dauernd „Vorsicht!“ zu rufen. Das Schwimmbad ist ein ehemaliger Hafen, an dem Bananen verschifft wurden. Das ummauerte Becken, in dem einst die Bananen vor der Verschiffung gewaschen wurden, dient den Erwachsenen als kühlende Erfrischung. Die Brandung drumrum gilt den heranwachsenden Jungen und Mädchen als Showbühne für Sixpackbäuche, kaum verhüllte sekundäre Geschlechtsmerkmale und für waghalsige Sprünge in die Brandung zwischen schroffen Felsen. Dass sich das Wasser an dieser Stelle nicht täglich rot färbt, grenzt an ein Wunder. Aber die Jungen und Mädchen kennen ihr Revier,…
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Schwarze Skelette
Die Insel erholt sich. Wir sind am höchsten Punkt La Gomeras, auf dem Alto Garajonay. Vergangenes Jahr hat hier das Feuer gewütet. Die Leichenfinger der verbrannten Bäume schreien ihre Verzweiflung noch immer in die Weite. Aber sie geben nicht auf. Die schwarzen Skelette häuten sich, werfen ihre verbrannte Rinde ab und zeigen darunter junges, gesundes Holz. Zwischen den verkohlten Resten sprießt das Grün der Hoffnung. Die Forstwacht ist auf der Hut. Wenigstens im Jahr Eins nach der Katastrophe hat man hier für Kippen-aus-dem-Fenster-Schnipper und Wild-Griller kein Lächeln. Die Insel braucht Ruhe.
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Die Wale bleiben auf Abstand
Nachdem ich heute Morgen schon einem Gecko das Leben gerettet habe, kann ich meinem Ein-guter-Tag-für-die-Fauna-Tag ein weiteres Sternchen hinzu fügen. Wir sind auf Whale watching und es gelingt mir, einen leeren Bierkasten aus dem Meer zu ziehen. Später fischen wir noch halbe Toilettenkästen und allerlei Verknotetes aus dem Wasser. Die Wale und Delfine, deretwegen wir eigentlich gekommen sind, halten Abstand. Knapp unterm Horizont sehen wir ein paar Finnen, aber näher ran lassen die Tiere uns nicht. Kann ich verstehen bei dem ganzen Scheiß, den die Wesen auf den Oberwasserschwimmzeugen ins Wasser werfen. Warum soll man als Wal da winken kommen? Oder warum soll das einen Delfin zum Bugwellen-Tanz animieren?
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Und nun zum Wetter …
Vergangene Nacht hat’s ordentlich gestürmt. Irgendwann krachte meine Terrassentür, die ich zwecks besseren Durchzugs immer offen stehen habe, mit Karacho in den Rahmen, das Fenster musste ich schließen, nachdem mir der Wind beständig Erde ins Gesicht warf. Auf meiner Laufstrecke lagen umgekippte Blumenkübel – schwere Blumenkübel – einige waren noch ein paar Stufen heruntergekollert. Kurz: Es war ordentlich was los über La Calera. Aber heute Morgen ist klare Sicht, Reinhard jubiliert. Reinhard checkt zweimal am Tag die Wetterprognosen – wetteronline.de und wetter.com sind die Sites seines Vertrauens. Dazu nutzt er eines der zahlreichen Devices, die wir mit haben – es stehen zur Verfügung: 2 Samsung-Smartphones, drei iPhones, drei iPads und…






















